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Warum es Taschengeldbörsen braucht

Immer mehr ältere Menschen leben allein, viele junge Menschen würden gern mit anpacken – und oft wohnen sie nur ein paar Häuser voneinander entfernt. Eine Taschengeldbörse bringt beide zusammen.

Ein Jugendlicher im roten Poloshirt hilft einem Mann bei der Arbeit an Hochbeeten im Garten.
Foto: CDC / Unsplash

Der Rasen wächst schneller, als man ihn mähen kann. Die Getränkekiste ist plötzlich zu schwer. Und das neue Smartphone wirft mehr Fragen auf, als es Freude macht. Für viele ältere Menschen sind es solche kleinen Dinge, die den Alltag mühsam machen. Gleichzeitig leben im selben Ort junge Menschen, die gern mit anpacken und sich etwas dazuverdienen würden. Oft fehlt nur jemand, der beide zusammenbringt.

Genau dafür gibt es Taschengeldbörsen. Die Idee ist einfach: Jugendliche übernehmen kleine Aufgaben in ihrer Nachbarschaft und bekommen dafür ein Taschengeld. Warum das gerade jetzt so wichtig ist, zeigen ein paar Zahlen.

Unsere Orte werden älter

2024 war in Deutschland jede fünfte Person 67 Jahre oder älter. Nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts wird es schon 2035 jede vierte sein. In Rheinland-Pfalz ist der Anteil der Menschen ab 65 von 17 Prozent im Jahr 2000 auf 23 Prozent im Jahr 2024 gestiegen – bis 2050 könnten es 29 Prozent sein.

Viele von ihnen leben allein: Von den Menschen ab 65 ist es gut jede dritte Person (34,4 Prozent), ab 85 sogar mehr als jede zweite (55,8 Prozent). Wer allein lebt, hat im Alltag niemanden, der mal eben mit anfasst.

Und es geht nicht nur um praktische Hilfe. Laut dem Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesfamilienministeriums sind Menschen über 75 im längeren Zeitverlauf am stärksten von Einsamkeit betroffen. Eine Stunde gemeinsame Gartenarbeit ersetzt keine Freundschaft. Aber sie ist ein Anlass für ein Gespräch – und oft der Anfang einer Bekanntschaft, die über die Aufgabe hinausgeht.

Junge Menschen wollen anpacken

Das Bild von einer Jugend, die nur aufs Handy schaut, hält den Zahlen nicht stand. Laut dem Deutschen Freiwilligensurvey 2024 engagieren sich 39,9 Prozent der 14- bis 29-Jährigen freiwillig – mehr als im Durchschnitt der Bevölkerung (36,7 Prozent). Und von den jungen Menschen, die bisher nicht engagiert sind, können sich zwei Drittel vorstellen, damit anzufangen.

Was häufig fehlt, ist ein konkreter Anlass in der Nähe: eine Aufgabe, die überschaubar ist, zu den eigenen Zeiten passt und direkt etwas bewirkt. Genau das bieten Taschengeldjobs. Nebenbei lernen Jugendliche, was später im Berufsleben zählt: Absprachen treffen, pünktlich sein, Verantwortung übernehmen. Und sie erleben, dass ihre Hilfe gebraucht wird.

Was eine Taschengeldbörse leistet

Eine Taschengeldbörse ist ein lokaler Marktplatz für kleine Aufgaben. Menschen aus dem Ort geben an, wobei sie Unterstützung brauchen. Jugendliche sehen die Angebote und melden sich. Typische Aufgaben sind:

  • Hilfe im Garten, beim Laubrechen oder Schneeschippen
  • Einkäufe und kleine Besorgungen
  • Fragen rund um Smartphone, Tablet und Computer
  • Gassigehen, Blumengießen oder Hilfe beim Aufräumen

Besonders gefragt ist Hilfe mit digitalen Geräten: 10 Prozent der 65- bis 74-Jährigen haben das Internet noch nie genutzt. Das heißt umgekehrt auch, dass eine Taschengeldbörse selbst keine Hürde sein darf. Wer nicht online ist, braucht eine Ansprechperson vor Ort, die weiterhilft.

Wichtig ist ein klarer Rahmen. Welche Tätigkeiten geeignet sind und wer bei Fragen ansprechbar ist, legt die Gemeinde fest – im Rahmen der Regeln zum Jugendarbeitsschutz. Pflege oder gefährliche Arbeiten gehören nicht dazu.

Warum die Gemeinde der richtige Ort dafür ist

Hilfe unter Nachbarn funktioniert nur mit Vertrauen. Eltern möchten wissen, wo ihre Kinder unterwegs sind, ältere Menschen, wer bei ihnen klingelt. Eine Taschengeldbörse der eigenen Gemeinde schafft dieses Vertrauen: Sie ist im Ort bekannt, hat feste Ansprechpersonen und folgt Regeln, die für alle nachvollziehbar sind.

Dazu kommt: Auf dem Land ist das Engagement besonders stark. In ländlichen Räumen engagieren sich 38,4 Prozent der Menschen freiwillig, in städtischen 35,8 Prozent. Eine Taschengeldbörse knüpft an diese Kultur an – und öffnet sie für junge Menschen, die (noch) in keinem Verein aktiv sind.

Kleine Aufgaben, große Wirkung

Eine Taschengeldbörse löst nicht den demografischen Wandel. Aber sie stärkt vor Ort etwas, das sonst leicht verloren geht: Generationen, die sich kennen und aufeinander zählen können. Wer im Frühjahr gemeinsam den Garten macht, grüßt sich im Sommer auf der Straße – und fragt im Winter nach, ob alles in Ordnung ist.

Mit „Bockenau verbindet“ ist aus dieser Idee bereits eine kommunale Taschengeldbörse entstanden. Mit Verbindet Generationen möchten wir es jeder Gemeinde leicht machen, ein solches Angebot zu starten – ohne eigenes Digitalprojekt. Die Technik kommt von uns, das Miteinander entsteht vor Ort.

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